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24. Dezember

Weihnachten zu Coronazeiten

Allein zuhause ...... mit einer überraschend guten Nachricht ... und mit Maria

Wenn Gott die Distanz vom Himmel zur Erde überwinden kann – dann kann Gott auch Kontaktbeschränkungen durchbrechen.

Maria beschreibt die Nähe Gottes und spürt einen Engel. Gott ist hier bei mir. Ganz nah. Vielleicht ist es bei mir ein Gefühl. Eine Stimmung. Vielleicht verdichtet sich die Stimmung in einem Zeichen: Im Licht einer Kerze, in einer Blume oder in einem Brief, den ich vor Augen habe. Die Botschaft ist: Leben wächst in der Stille. Maria stellt Fragen: Wie soll das gehen? Ich bin doch allein...

„Gott ist mit Dir“ - mehr Antwort gibt es nicht.

Gott findet Wege, dem Leben Raum zu geben – ganz persönlich, im Stillen.
Auch heute werden Kinder geboren und Ideen. Auch heute ist das Leben lebenswert.
Auch heute ist nicht die Furcht das Bestimmende, sondern der Gruß: Gott ist mit Dir!

 

Allein zuhause ...... mit einer schwierigen Situation konfrontiert ... und mit Josef

Alles, aber auch alles ist anders als geplant und gedacht! So war es damals bei Josef. Abstand – ein tiefer Graben zwischen Maria und ihm. Sie erwartet ein Kind von einem anderen... Wird nichts wieder so wie vor dieser Zeit mit Abstand? Wo ist das Dreamteam von einst? Als wir alles zusammen erlebt haben – in Partnerschaft oder Frauengemeinschaft – jetzt – alles auf Abstand... Josef spürt, dass sein Schatten zu ihm spricht wie ein Engel. Verabschiede Dich von Deinen Plänen und von der Idee, alles steuern zu müssen. Trau Gott zu, dass Leben wichtiger ist und mehr zu bieten hat, als Deine Vorstellung davon, wie es gehen muss.

„Gott ist mit Dir“ - mehr Antwort gibt es nicht.

Auch heute fordert Gott mich heraus, mich dem Ungeplanten und dem Schwierigen zu stellen. Nur so kann Leben weitergehen.
Weglaufen oder den Kopf in den Sand stecken hilft nicht. Trau der Zusage: Gott ist mit Dir!

 

Zuhause ...... mit den Menschen aus meiner Familie oder aus meinem „Haushalt“ ... und mit Maria, Josef und dem Kind Jesus

Die „Kernfamilie“ - damals übrigens schon irgendwie „Patchwork“ - zu dritt unterwegs und dann im Stall. Die Geburt war unter schwierigsten und einfachsten Bedingungen offenbar doch gut verlaufen. Nun zu dritt auf kleinstem Raum. Für manche Familie war und ist das schwierig, lange Zeit zusammen ohne Programm von außen zu Corona-Zeiten. Für andere war oder ist es toll, dass Kinder und Eltern zusammen spielen, erzählen und miteinander Zeit verbringen wie lange nicht. Und drumherum die Kinderbetreuung und die Berufstätigkeit organisieren... Für Maria, Josef und Jesus war es eher der „Lockdown“. Alles bis auf das Engste heruntergefahren.

Ein „heruntergefahrener Gott“ - dieser Menschen- und Gottessohn Jesus.

Auch heute gilt die Zusage, dass Leben kostbar ist. Nicht die äußeren Umstände zählen, sondern die Liebe, die verbindet.
Auch heute gilt, wenn Gott 1000 Mal in Bethlehem – oder in der Krippe, in der Kirche oder sonst wo... - geboren wäre und nicht in Deinem Herzen: Es wäre umsonst! Gott ist mit Euch!

 

Zuhause ......mit Nachbarn – falls möglich - … und mit den Hirten vom Feld

Kein Treffen mit der Familie? Feiern einfach mit denen aus der Nachbarschaft, die einen Gruß sagen oder einfach gerade so da sind? Damals war das so. Die Hirten kamen zum Stall. Stallgeruch kennen heißt vertraut sein. Vielleicht sind es gerade die, die vertraut sind mit meinem Viertel, mit unserem Haus, die mich kennen, einen Schlüssel von der Wohnung haben oder meine Freuden und Sorgen teilen. Das geben, was jetzt nötig ist: Etwas, das ich beim Einkaufen vergessen habe, ein Paket annehmen oder in Quarantäne Besorgungen machen. Liebesdienste erzählen von Weihnachten. Warum nicht ihnen einen Gruß oder ein Geschenk vor die Tür legen oder im Treppenhaus ein Weihnachtslied singen oder vom Balkon?

Auch heute ist Nächstenliebe ganz konkret. Was jetzt nötig ist – Nähe durch Zeichen der Wertschätzung und im nächsten Umfeld, das erzählt von göttlicher Nähe: Gott ist mit Euch!

 

Zuhause ...... doch irgendwie mit Besuch – falls möglich - … und mit den drei Weisen aus dem Morgenland

Den Besuch hatten sie garantiert nicht erwartet im Stall... Weise aus dem Morgenland... Suchende kommen und erkennen, dass Gott im Kleinen zur Welt kommt.

Vielleicht ist es ein Anruf, ein Brief, eine Nachricht in der Zeitung, die mir verdeutlicht, dass es immer noch Suchende gibt, die Gott finden (wollen). Dann muss ich nicht auf die hören, die immer schon meinen, die Welt erklären zu können und für die schon alles klar ist, wenn sie Feindbilder entwerfen und sich als Welterklärer feiern. Sich oder ihr Land „groß machen“ ist das Gegenteil von Weihnachten. Hier macht die Macht sich klein! Genauso ist Gott mit Euch auf der Suche nach dem Kleinen.

Auch heute darf ich suchen, zweifeln, fragen und Antworten nachgehen. Auch heute könnte die Antwort überraschend ausfallen. Auch heute könnte das Ziel unerwartet sein.

 

 

Roland Schmitz
kfd-Diözesanpräses