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Juni 2021

Ora et labora

Foto: M. Burk - Lebendiges Labyrinth in Helfta

Ganz in Gedanken stehe ich am Bügelbrett. Beim Bügeln kann ich gut nachdenken und so überlege ich gerade Texte und Gebete für die nächsten Ora et labora-Tage in Helfta.

Ora et labora – bete und arbeite!

Diese Tage bieten wir im Kloster St. Marien in Helfta seit 2004 immer im Frühjahr an. Dann erfährt das „Lebendige Labyrinth“ im Garten des Klosters durch uns seinen Frühjahrsputz. Altes wird herausgeschnitten, Verblühtes, Vertrocknetes, Erfrorenes wird entfernt, Unkraut gejätet und die Wege werden geharkt. Danach sieht das Labyrinth wieder schön aus, es ist Platz für neue Blühten und der Sommer kann kommen. Aber wir arbeiten nicht nur, wir beten, schweigen und meditieren in diesen Tagen auch. Und erleben eine gute Gebets-Gemeinschaft mit immer anderen kfd-Frauen und den Schwestern im Kloster.

Ora et labora – bete und arbeite!

Das kenne ich auch aus meiner Kindheit.

Beten und arbeiten hat meine Oma schon begleitet.

Das Eiweiß für den Pudding musste ich 10 „Ave Maria“ lang schlagen. Dann war es steif. Ebenso war es mit der Sahne mit 10 „Vater unser“. Nur gelang es mir nicht, die Sahne so lange zu schlagen, das schafften meine Kinderärmchen damals noch nicht. Wenn die Kirchenglocke mittags schlug, wurde der Angelus gebetet und danach gab es Mittagessen. Schlug die Kirchenglocke abends um 6, dann mussten wir (aber eiligst) nach Hause. Gebete begleiteten uns durch den Tag und wir spürten dadurch zu jeder Zeit die Gegenwart Gottes.

All diese vom Gebet begleiteten Tätigkeiten sind mir heute verloren. Doch im letzten Jahr habe ich während der Pandemie eine Neue dazugelernt, die lässt sich jeden Tag, ja jede Stunde einsetzen: Beim Händewaschen spreche ich ruhig und konzentriert das „Vater unser“. Das dauert dann die 30 Sekunden, die es benötigt, um die Hände mit normaler Seife zu 98% zu desinfizieren.

So spüre ich immer wieder am Tag: Gott begleitet mich, selbst bei so profanen Tätigkeiten wie dem Händewaschen.

Ist das nicht auch Ora et labora?

 

Mechthild Burk

 

PS: Übrigens: Frauen, die selbst einmal den inspirierenden Wechsel von "ora" und "labora" erleben möchten, können sich gern für die nächsten "Ora-et- labora-Tage" der kfd in Helfta (01.-04.07.21) anmelden.