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Oktober 2016

Rosenkranzmonat

Foto: M. Schoen

Oktober – Rosenkranzmonat. Vielleicht ist der Schritt vom Monat der Feste – Winzerfeste, Erntedank, Oktoberfest – zum Rosenkranzgebet gar nicht so groß.

Der Mensch feiert Feste, weil er gelegentlich aus der Mühle des Alltags aussteigen will: Freizeit wird zur freien Zeit für sich selbst.

Der Rosenkranz ist im geistlichen Bereich ein solches „Frei-Zeit“-Angebot: ein Angebot, in der Stille, im Beten den Weg zu sich selbst zurückzufinden.

Ein Wort sagt: „Der Rosenkranz ist kein Weg, sondern ein Raum, und er hat kein Ziel, sondern eine Tiefe. In ihm zu weilen tut gut“.

Kommunionkindern wird vielleicht von Großeltern noch ein Rosenkranz geschenkt, aber oftmals verschwindet er in einer Schublade. Die meisten jungen Menschen finden keinen Zugang mehr zu ihm. Für viele, nicht nur für junge Menschen, ist das Beten des Rosenkranzes ein Gebet vom Fließband, seelenloses Geplapper, dazu noch eine Leistung in Form von 53 „Ave Maria“. Aber es geht bei den Wiederholungen eigentlich um einen Rhythmus, dem wir im Leben immer wieder unterworfen sind: beim Ein- und Ausatmen, bei Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Saat und Ernte. Besser noch ist der Vergleich mit dem Wasser eines Brunnens, das von Schale zu Schale fließt: In der Wiederholung fällt immer etwas tiefer in unsere Seele. Es geht also nicht um das dauernde „Gegrüßet seist du, Maria“, es geht um eine Erhebung auf eine andere Ebene – so wie manch einer es im Urlaub liebt: immer wieder am Strand entlanggehen und sich tiefer und tiefer besinnen.

Und das Band, das die Perlen des Rosenkranzes zusammenhält, ein starkes Band, ich vertraue mich ihm an. Es gibt mir Sicherheit. Das Wort Religion kommt vom lateinischen religere und heißt: ich binde mich an einen anderen, ich halte mich fest, ich lasse mich halten und – überwinde leichter die schwierigen Passagen im Leben. Und die Knoten zwischen den Perlen? Sie bieten mir festen Zugriff und verstärken den Halt, damit ich nicht unversehens abgleite.

 

Monika Schoen

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