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Oktober 2018

Mehr Stolz, ihr Frauen!

Wie ist es nur möglich,
dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung,
die euch noch immer trifft. -
Auch heute noch? Ja, auch heute noch. (...)

Mehr Stolz, ihr Frauen!
Der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht.
Nur auf den Nacken, der sich beugt,
tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.

(Hedwig Dohm, 1901)

 

Hedwig Dohm (1831-1919) war eine deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Sie war eine der ersten feministischen Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die kulturelle Prägung zurückführte und nicht auf biologische Bestimmung. 
Ihre Forderungen aus dem 19. Jahrhundert sind auch im 21. Jahrhundert noch aktuell. Sie nannte  das Geschlecht „Privatsache“. Frauen wie Männer wären für sie einfach „Ganzmenschen“.
Die angeblich angeborenen „Eigenschaften der Frau“ sind Produkt ihrer Lebensumstände und Frauen – wie Männer – „ein durch soziale Bedingungen Gewordenes“.
Die Mutter von 5 Kindern litt ihr Leben lang unter ihrer „Unbildung“ und kämpfte deshalb auch für bessere Bildungsmöglichkeit für die Frauen.

1876 schrieb Hedwig Dohm das Buch ‚Der Frauen Natur und Recht‘, in dem sie das Frauen-Wahlrecht zum Schlüssel für politische Veränderungen erklärte und es uneingeschränkt forderte. „Für mich liegt der Anfang alles wahrhaften Fortschritts auf dem Gebiet der Frauenfrage im Stimmrecht der Frauen. Die Gesetze sind gegen sie, weil ohne sie.“ Sie war damit ihren Schwestern der damaligen Frauenbewegung weit voraus.

1906 führt Finnland als erstes Land der Welt das Frauenwahlrecht ein. Und Deutschland?
Am 12. November 1918 verkündet der ‚Rat der Volksbeauftragten‘ die Einführung des „allgemeinen Wahlrechts für alle männ­lichen und weiblichen Personen über 20 Jahre“. Da ist Hedwig Dohm 87 Jahre alt. Sie stirbt am 1. Juli 1919.
10 Jahre vorher hatte sie einmal gesagt: „In der Frauenfrage, wissen Sie, da komme ich mir schon seit Jahrzehnten wie ein Wiederkäuer vor.“

Und so käuen wir auch noch heute die immer gleichen Forderungen zur Gleichstellung wieder.

Dorothee Brünger

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